Macht mich ein Laufband faul?

Ist schon komisch, dass ich mir diese Frage stelle. Ein fauler Läufer. Gibt es so etwas überhaupt? Faulheit und Bequemlichkeit beim Läufer? Kann ein Laufband faul machen?
Aber fangen wir vorne an. In meiner Jugend habe ich immer recht viel Sport getrieben. Anfangs habe ich Fußball im Verein, später nur noch mit den Kumpels auf dem Bolzplatz gespielt, bin viel Rad gefahren, viel Schlittschuh und Rollschuh gelaufen – ja, die komischen Dinger, die man mit Lederbändern an die Füße geschnallt hat. Am kontinuierlichsten war ich im Tischtennis unterwegs. Das habe ich über viele Jahre aktiv und organisiert gemacht.

Aber irgendwann war die Schulzeit vorüber, während der Ausbildung und später während des  Studiums habe ich dann andere Interessen gehabt. Die feste Partnerschaft, der Hausbau, die Kinder und so weiter. Gelegenheit und Ausreden genug, sich abends faul auf der Couch niederzulassen.
Viele Jahre lang war ich in Sachen Sport und Bewegung eine absolut faule Socke.

Die Wende kam, als ich Anfang des Jahres 2013 mit der Diagnose Diabetes konfrontiert wurde. Anfangs noch als Typ2 Diabetiker eingestuft, sollte von nun an Sport einen Teil meiner Therapie ausmachen. Da habe ich recht schnell die Zeichen der Zeit verstanden und habe meinem inneren Schweinehund klargemacht, dass er jetzt von der Couch runter müsse.
Kurz darauf wurde die Diagnose korrigiert und es stand fest, dass ich Typ1 Diabetes habe.
Man sagt, dass der Sport als therapeutische Maßnahme beim Typ1 Diabetes im Gegensatz zum Typ2 Diabetes eine eher untergeordnete Rolle spielt. Das mag so sein, war aus meiner Sicht aber keinerlei Grund den Sport wieder zu reduzieren. In der Zwischenzeit habe ich wieder gelernt, wie gut Körper und Seele auf Sport und Bewegung reagieren und wie wichtig das für mich ist.

Wie schaffe ich es, regelmäßig sportlich aktiv zu sein.

Zur Zeit meiner Diagnose war ich beruflich recht entspannt unterwegs. D.h. ich hatte normale Arbeitszeiten ohne viel Überstunden und Dienstreisen, war recht früh am Nachmittag zu Hause, so dass ich oft Gelegenheit hatte die Dinge zu tun, die mir am meisten Spaß machten. Laufen und Mountainbiken.

Irgendwann musste ich mich beruflich verändern. Andere Arbeitszeiten und regelmäßige Dienstreisen führten zwangsläufig zu einer Reduktion des Sportprogramms, auch wenn ich meine Laufschuhe seither immer im Reisegepäck dabei habe. Insbesondere außerhalb der Sommermonate, wo es am Abend recht früh dunkel wird und auch die Bedingungen oft nicht so gut waren, habe ich immer öfter Trainingseinheiten ausfallen lassen. Das hat mir nicht gepasst. Eine Alternative, die immer verfügbar war musste her.
Zunächst war es eine Rudermaschine, die ich auch heute noch sehr gerne und regelmäßig nutze, weil damit ein Ganzkörpertraining recht gut möglich ist.
Da ich aber am allerliebsten laufe, habe ich mir Anfang des Jahres ein Laufband zugelegt.
Max vom Blog www.diabetesundsport.at hatte gespöttelt: „Ein elektrischer Kleiderständer“. Solche Bemerkungen kommen nicht von ungefähr. Ich denke auch, dass die meisten „Hometrainer“ irgendwann ungenutzt rumstehen weil der Schweinehund keine Lust mehr darauf hat.

Das Laufband war als Alternative gedacht.

In meinem Falle war es auch gar nicht geplant, dass das Laufband ganzjährig im Einsatz sein sollte. Es sollte an Tagen, wo ich abends erst im Dunkeln nach Hause komme, es unter Umständen stürmt und der Regen peitscht, die Alternative sein, mit der ich verhindere, dass ich mein Lauftraining ausfallen lasse, weil die Bedingungen gerade so bescheiden sind.
Was soll ich sagen, es funktioniert. Das Laufband wird konsequent genutzt. Bis jetzt habe ich es geschafft durchschnittlich spätestens an jedem dritten Tag des Jahres irgendeine Sporteinheit zu machen. Sei es Laufen, Rudern, Radfahren, Wandern oder Krafttraining im Studio des örtlichen Physiotherapeuten.
Trotzdem hat mich das Laufband bequem werden lassen. Natürlich muss man auch auf dem Laufband laufen und auch auf dem Band kann man sich richtig auspowern.

Warum das Laufband bequem macht.

Das bequeme am Laufband ist, dass es im beheizten Gästezimmer steht. Mit Fernseher davor, das Sportgetränk im Halter, der CGM Empfänger und das Smartphone in der Ablage vorm Display, der PC mit allen Musikfiles nebendran, es bläst kein kalter Wind, es wird kein Regen ins Gesicht getrieben und solche Sachen. Weichgespültes Laufen, das so stinklangweilig sein kann, dass nur ein interessantes Fernsehprogramm es bei einer Dauer über einer halben Stunde erträglich macht. Aber eben bequem. Sogar die Schuhe bleiben sauber.
Sicher eine gute Alternative, wenn die Bedingungen oder Umstände mal allzu ungünstig sind.
Aber bei mir hat diese Bequemlichkeit auf dem Laufband dazu geführt, dass ich kaum noch draußen gelaufen bin.
Draußen, wo man frische Luft hat, sich mit Sauerstoff vollpumpt, die Vögel zwitschern hört, die Sonne auf- oder untergehen sieht (so wie auf dem Beitragsbild vom Lauf um den Keller See), den Bach plätschern hört, den Lauf der Jahreszeiten verfolgen kann, wo man die Elemente erleben kann. Das Laufband hat mich zwar nicht zu einem faulen aber zu einem bequemen Läufer gemacht.

Lauf um den Keller See

Sonnenaufgang beim Lauf um den Keller See

Laufen darf nicht zu bequem sein.

In den letzten Tagen bin ich wieder vermehrt draußen gelaufen. Ich habe es genossen den Wind und den Regen zu spüren, die unterschiedlichen Temperaturen, die Natur, die Luft, die Geräusche, die anderen Menschen. Es tut einfach gut. Schöner Nebeneffekt, draußen kann man länger laufen, weil es nicht so schnell langweilig wird.

Meine Erkenntnis: das Laufband wird in Zukunft das sein, was es von Beginn an sein sollte. Eine stets verfügbare Alternative für den Fall, dass es anders nur mit Umständen geht. Wichtig ist, dass man überhaupt etwas tut.

Ansonsten wird draußen gelaufen so oft es geht, weil es eben mehr ist als das bloße „sich laufend fortbewegen“.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Fitnessgeräten gemacht ?
Stehen sie bei euch nach der Anfangseuphorie nur rum, nutzt ihr sie regelmäßig oder vernachlässigt ihr dadurch  so wie ich den Sport im Freien?

8 Kommentare

  1. Hallo Stefan,

    das, was Du schreibst, kenne ich auch – von früher, als ich eine Fahrradrolle hatte, die nicht mit dem PC kommuniziert.
    Jetzt aber ist es zwar – wie Du schreibst – verdammt bequem, Indoor zu trainieren (Radfahren draußen kostet gerade als Diabetiker eine entsprechende Vorbereitung), aber überhaupt nicht mehr langweilig. Seit ich eine mit dem PC verbundene und von diesem steuerbare Rolle besitze, waren es die Wettkämpfe der Indoor Bike League, die mich forderten und vergessen ließen, dass ich in einem Wohnzimmer trainiere, heute ist es die Online-Welt von Zwift, wo stets 200-500 Fahrer aus aller Welt gleichtzeitig radeln und ständig Gruppenradfahrten und Rennen stattfinden. Dabei vergesse ich den Livestream im Laptop, kriege nichts mit was da läuft, wenn ich ihn überhaupt anschalte. Das alles macht verdammt viel Spaß, mir zumindest.
    Ob es so etwas für Laufbänder gibt, weiß ich nicht. Ich vermute mal nein, aber zum Fahrradfahren sind die virtuellen Möglichkeiten einfach nur klasse!

    Danke für Deinen Artikel, der mir vor Augen geführt hat, wie gerne ich inzwischen indoor trainiere
    Andreas

    • Hallo Andreas,
      danke für deinen Kommentar. Ich verstehe was du meinst. Das ist dann so ein ähnlicher Effekt wie das Fernsehen während des Laufbandtrainings.
      Nur ist es in dem Fall wohl passender wenn man bedenkt was für ein Müll so im Fernsehen kommt. Wenn man zur Richtigen Zeit trainiert kommen aber auch sehr interessante Sendungen über Wissenschaft und Geschichte etc.
      Ob es so eine Software für das Laufband gibt weiß ich nicht. Zumindest hat mein Laufband auch keine Schnittstelle für so etwas. Mein Concept2 Rower hat das aber auch und man bekommt eine entsprechende Software mit der man Online mit und gegen Andere rudern kann. Ich hatte das Anfangs auch mal getestet aber immer wieder mal Abstürze der Software und das hat manchmal mehr zeit zum Fixen benötigt als ich eigentlich trainieren wollte und da hab ich es gelassen. Mag sein, dass es da mittlerweile Fortschritte gibt.
      Für mich ist wichtig, dass ich am „Ball“ bleiben kann, egal ob Indoor oder Outdoor. Ich finde alles hat seine Berechtigung. Aber draußen macht es mir persönlich immer noch am meisten Spaß.
      Stefan

  2. Ich hab mich, auch wegen der kalten Temperaturen derzeit im Winter, auch entschieden Laufbänder auszutesten. Außerdem erfreuen sie sich ja einer enormen Beliebtheit als Trainingsgeräte im Fitness-Studio oder für das Fitnesstraining zu Hause. Einen Vorteil, den ich mir hab Sagen lassen ist, dass der Bewegungsablauf beim Laufen auf dem Laufband eher „natürlicher“ sein soll als beim laufen in der Natur (weil man eben eine glatte Oberfläche hat und dadurch auch das Verletzungsrisiko minimiert wird). Dadurch gewöhnt man sich dann nach einer gewissen Zeit auf dem Laufband und man kann dadurch (angeblich .. so ist mir von Trainingskollegen/innen) gesagt worden, dass ich einen sehr großen Teil meiner Muskulatur besser einsetzen kann. So soll ich einen verbesserten und sehr starken Trainingseffekt bekommen .. also besser als in „der Natur“. Ob das stimmt oder nicht weiß ich nicht aber es wäre toll, wenn mir eine fachkundige Person darüber Aufschluss geben könnte, bevor ich mich endgültig dazu entscheiden sollte, mir ein doch sehr teures Laufband zu kaufen.

    • Hallo Tamara,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe mir da ehrlich gesagt keine großen Gedanken drüber gemacht. Ich bin kein Leistungssportler sondern Freizeitsportler. Mir ging es viel weniger darum etwas zu optimieren oder noch mehr herauszukitzeln als viel mehr darum überhaupt etwas zu tun, wenn die Bedingungen Outdoor gerade zu grauslig sind. Von daher erfüllt mein Laufband, das sicherlich kein Highend-Gerät aber dennoch sehr brauchbar ist, absolut seinen Zweck und die Kosten dafür hielten sich einigermaßen im Rahmen.

      Stefan

      Den Link, den du angegeben hast, habe ich übrigens entfernt. Das hätte sonst sehr danach ausgesehen als wolltest du Werbung für Laufbänder platzieren 😉
      So ist es jetzt ok 🙂

  3. danke für die Antwort! PS: klar, um „werbung“ zu machen, antworte ich so ausführlich! 🙂

  4. Hallo Stefan!

    Es war gut, den Kommentar von Tamara (oder heißt sie Erika oder …) zu bearbeiten: Er ist ausschließlich Werbung und ist wortgleich auf zahlreichen anderen Webseiten als Kommentar erschienen – nur heißt das Mädel dann halt nicht Erika (oder ist es vielleicht gar ein Mann?).
    Hier die entsprechende Google-Abfrage: http://bit.ly/2rSw8Mz
    Und sich dann noch hier melden und unschuldig tun – unsäglich!
    Also: Richtig entschieden!

    Liebe Grüße
    Andreas

    • Ja, Andreas. Ich bin da ziemlich konsequent. Kommentare sollten immer im direkten Zusammenhang mit dem jeweiligen Thema stehen und darauf Bezug nehmen. Hier war es zwar der Fall, der angegebene Link hatte aus meiner Sicht keinen Mehrwert zum Beitrag geleistet. So etwas lösche ich konsequent. Das hier ist keine Werbeplattform sondern mein Blog.
      Konstruktive Beiträge, Anregungen und auch Kritik sind jederzeit willkommen und ich bemühe mich auch auf jeden Kommentar zu reagieren.
      LG
      Stefan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.