2x den New York City Marathon gelaufen ….

…. sind wir zwar nicht. Aber New York City und die Distanz treffen es ganz gut.
In der Woche vor Ostern war ich mit meiner ältesten Tochter in New York City. Damit hat sich für sie ein Herzenswunsch erfüllt, den sie seit ihrer Kindheit hatte. Wir haben uns die Stadt sprichwörtlich erlaufen.

Ein Herzenswunsch geht in Erfüllung

Meine Tochter wird in diesem Jahr volljährig und im nächsten Jahr wird sie ihre schulische Laufbahn beenden. Da sie beabsichtigt anschließend ein Studium zu beginnen, ist zu erwarten, dass sie ihr Elternhaus dann zwangsläufig hinter sich lässt und vermutlich ihren eigenen Weg gehen wird. Seit sie ein kleines Mädchen war hatte sie den Herzenswunsch einmal nach New York City zu reisen.
Ich hielt es für den richtigen Zeitpunkt und habe die Gelegenheit genutzt um mit ihr gemeinsam eine Vater-Tochter-Reise zu einem ihrer Traumziele zu machen. Sie hatte ein volles Programm für unseren Trip zusammengestellt und wir haben uns die Stadt regelrecht erarbeitet. Wir sind viel mit der Subway gefahren und sind noch viel mehr zu Fuß gegangen.

Aktivitätsreport meiner Polar-Sportuhr für die Woche in New York

Aktivitätsreport meiner Polar-Sportuhr für die Woche in New York

Am Ende der Woche zeigte meine Polar Sportuhr eine Strecke von guten 84km an, die wir zu Fuß zurückgelegt haben. Das entspricht der zweifachen Strecke eines Marathonlaufs. Ob es nun tatsächlich 84km waren oder die Uhr das großzügig geschätzt hat spielt nun nicht wirklich eine Rolle. Auf jeden Fall waren wir täglich lange unterwegs und haben so sehr viel von New York City – im Wesentlichen war es Manhattan – gesehen.
Wir hatten zu Beginn unserer Planungen zwar fest vor im Central Park zu laufen. Das mussten wir aber aufgrund meiner lädierten Achillessehnen ad acta legen. Wir sind dann eben nur gewalkt, gewandert oder spazieren gegangen. Aber was hat das alles nun mit Diabetes zu tun ?

Die Herausforderung Zeitverschiebung

Im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie sich die Zeitverschiebung von immerhin 6 Stunden auf meinen ständigen Begleiter auswirken wird. Durch meinen Job bin ich zwar regelmäßig im Ausland und auf Flugreisen unterwegs. Allerdings bewege ich mich fast ausschließlich in derselben Zeitzone oder in Zeitzonen mit maximal 2h Unterschied zur heimatlichen Zeitzone.

Zwischen Brooklyn und Manhattan Bridge

Panorama vom Ufer des East River zwischen der Brooklyn und der Manhattan Bridge

Es war also die erste größere Zeitverschiebung seit der Manifestation meines DM1.
Dementsprechend habe ich mich vorher informiert, wie ich das am besten bei der Insulindosierung berücksichtigen kann. Von den Varianten, die sich anboten, habe ich mich für die Variante entschieden, bei der die Pumpenzeit täglich um jeweils 2 Stunden verstellt wird bis die Pumpenzeit der lokalen Zeit entspricht. Und zwar jeweils am Tag vor der Abreise, am Reisetag und am Tag nach der Ankunft. Auf dem Heimweg dann entsprechend umgekehrt.

Treffen sich zwei Pumpis im Flugzeug

Witzigerweise begegnen mir im Alltag selten Insulinpumpenträger aber im Flugzeug habe ich schon  öfter welche getroffen. So hat denn auch zufälligerweise in der Sitzreihe neben uns eine Familie gesessen, in der die Mutter eine langjährige Diabetikerin und Pumpenträgerin war, wie sich nach einer Weile herausstellte. Da sie exakt die gleiche Pumpe trug wie ich, hatte sie beim Essen schon gedacht ihre Pumpe spielt verrückt als sie die Bedientöne meiner Pumpe hörte ohne zu wissen, dass ich auch eine Pumpe trage.
Ich habe mir erlaubt sie zu fragen, welche Strategie sie anwendet um die Zeitverschiebung in der Basalrate zu berücksichtigen. Ihr wurde empfohlen die Pumpenzeit bei Ankunft vor Ort ganz einfach auf die Ortszeit umzustellen.
Um es vorwegzunehmen, genau so würde ich es nach dieser Woche in Zukunft auch machen. Die Gedanken, die ich mir im Vorfeld gemacht habe hätte ich mir sparen können weil das alles viel problemloser funktioniert hat als gedacht.

Am East River unterhalb der Brooklyn Bridge

Am East River unterhalb der Brooklyn Bridge

Handicap ketogene / very low carb Ernährung

Eine besondere Herausforderung stellte sich mir, da ich die letzten 3 Monate vor der Reise konsequent very low carb bis ketogen gegessen habe. Dadurch war mein Blutzucker sehr stabil auf niedrigem Niveau bei gleichzeitig niedrigem Insulinbedarf.
Die Frage war, wie sich das in Form einer Up Regulation auf meine Insulinsensitivität ausgewirkt hatte. Außerdem hört man immer wieder davon, dass Menschen, die eine Weile Kohlenhydratabstinent waren, plötzlich Allergien insbesondere gegen Kohlenhydrate aus Getreide haben.
Da zu erwarten war, dass es mit einer konsequenten ketogenen Ernährung auf der Reise schwierig werden würde, habe ich von Anfang an in Kauf genommen in dieser Woche einfach Urlaub zu machen und mich von dem zu ernähren, was uns gerade so vor den Schnabel kommt und wo wir Bock drauf haben. So ganz sicher was in der Urlaubswoche blutzuckermäßig passieren würde war ich mir aber nicht wirklich.

Wie habe ich es denn nun gemacht mit der Zeitumstellung ?

Die Pumpenzeit habe ich tatsächlich am Tag vor der Abreise um 2 Stunden vorgestellt und am Reisetag um weitere 2 Stunden. Die fehlenden 2 Stunden bis zur kompletten Umstellung habe ich aber am Tag nach der Ankunft im Eifer des Gefechts schlichtweg vergessen und meine Pumpe arbeitete in ihrer eigenen Zeitzone;-). Als ich das bemerkte habe ich es einfach so belassen weil meine BZ Werte durchweg gut waren.

5th Avenue

5th Avenue

Wenn ich gegessen habe, habe ich exakt so gebolt, wie ich es zu Hause getan hätte. Mit dem Ergebnis, dass meine Blutzuckerwerte trotz der mittlerweile ungewohnten Kohlenhydrataufnahme für meine Verhältnisse sehr flach verliefen und auch keine ausgeprägten Spitzen enthielten. Ich denke hier machte sich auf der einen Seite eine bessere Insulinempfindlichkeit bemerkbar und wahrscheinlich waren meine Kohlenhydratspeicher aufgrund der Ernährungsweise ziemlich leer und hatten eine entsprechende Pufferwirkung. Der Effekt hielt fast die komplette Woche an und erst am Tag vor der Abreise bemerkte ich dann etwas heftigere Reaktionen auf Kohlenhydrate in der Nahrung.
Ganz erheblichen Anteil an den guten Werten hatte mit Sicherheit der hohe Anteil an körperlicher Aktivität gehabt.

Sicherheit durch CGMS

Die Tatsache, dass ich ein kontinuierliches Glukosemesssystem trage, hatte eine besondere Bedeutung für die Sicherheit im Hinblick auf ein gutes Blutzuckermanagement. Man sieht auf dem Display des Empfängers jederzeit ob die Insulinmenge aus Basal- und Bolusinsulin einigermaßen korrekt war oder ob man in irgendeiner Richtung intervenieren muss. Aus diesem Grunde würde ich mir bei der nächsten Reise dieser Art auch weniger Gedanken machen und die Zeit bei Ankunft am Zielort ganz einfach auf die neue Ortszeit umstellen, so wie es die Sitznachbarin im Flugzeug gemacht hat. Den Rest ganz einfach je nach BZ Entwicklung, die vom CGMS angezeigt wird, korrigieren.
Dank CGMS konnte ich die Woche in New York vollkommen unbeschwert genießen.

Eine weiße Rose am 9/11 Memorial

Eine weiße Rose am 9/11 Memorial

Und wie war es nun in New York ?

Was soll man da noch viel zu sagen. New York ist auf jeden Fall eine Reise wert bietet jede Menge bekannte Sehenswürdigkeiten die man mal gesehen haben sollte. New York hat sehr viele Gesichter, dass merkt man besonders wenn man es zu Fuß erkundet. Das wurde natürlich dadurch begünstigt, dass wir ein Riesenglück mit dem Wetter hatten. Eine Woche reicht bei Weitem nicht aus all das zu erkunden was touristisch von Bedeutung ist. Deswegen werde ich wahrscheinlich irgendwann nochmal dorthin reisen.
Die eigentliche Besonderheit an dieser Reise war aber die Zeit, die ich mit meiner Tochter verbracht habe. Eine ganze Woche die wir für uns hatten und all das gemeinsam erleben durften. Das war etwas ganz Besonderes.

Wie funktioniert das bei euch mit der Anpassung der Basalrate an andere Zeitzonen? Klappt das bei Euch ähnlich problemlos oder zickt Euer D-Monster rum?

 

 

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