Urlaub von der Insulinpumpe

Seit Anfang 2014 trage ich eine Insulinpumpe und ich möchte sie keinesfalls mehr missen. In diesem Sommer stand der erste Strandurlaub an seit ich Pumpenträger bin und während der Urlaubsplanung hatte ich meine Probleme mir den Strandurlaub mit Insulinpumpe vorzustellen. So entstand die Idee mit der Insulinpumpenpause – Urlaub von der Pumpe. Hier erfahrt ihr, wie ich das umgesetzt habe und wie es mir damit ergangen ist.

Der erste Strandurlaub mit Insulinpumpe

Seitdem ich vor gut zweieinhalb Jahren meine Insulinpumpe bekommen habe, habe ich keinen Strand- bzw. Badeurlaub gemacht. Nachdem das letzte Jahr sehr traurig und nervenaufreibend verlaufen war, haben wir uns entschlossen einen Familienurlaub am Strand zu verbringen und einfach mal nur zu relaxen und nichts zu tun außer den Tag am Strand zu verbringen. Das hatte die ganze Familie nötig.
Für mich als Insulinpumpenträger sollte es der erste Strandurlaub mit Pumpe sein. Da meine derzeitige Pumpe, die Veo754, nicht wasserdicht ist und zum Baden nicht mit ins Wasser darf, kam mir die Idee mit der Pumpenpause. Selbst wenn die Pumpe zum Baden geeignet wäre, hatte ich bei dem Gedanken mit der Pumpe und dem Infusionsschlauch ins Wasser zu steigen ein komisches Gefühl, weil es mich vermutlich stören würde.

Die Insulinpumpe möchte ich keinesfalls mehr hergeben und ich empfinde sie absolut nicht als Fremdkörper an mir. Da empfinde ich meine Brille eher als Fremdkörper. Aber im Wasser wollte ich nicht wirklich eine Pumpe tragen, selbst wenn das mit meiner Pumpe möglich gewesen wäre.

Wie decke ich am besten meinen basalen Insulinbedarf?

Zunächst hatte ich die Vorstellung die Pumpe während des Urlaubs komplett abzulegen. Die Vorstellung wieder komplett auf ICT zu wechseln war mir nicht wirklich sympathisch. Außerdem hatte ich Bedenken wegen meines Basalprofils. Seit ich die Pumpe trage, hat sich mein Basalbedarf in eine Richtung entwickelt, die mir nur sehr schwierig mit dem Basalinsulin Lantus, das ich während meiner ICT Zeit benutzt habe, abzudecken schien.

So sieht mein aktuelles Basalratenprofil aus. Wie decke ich das beim Insulinpumpenurlaub ab?

So sieht mein aktuelles Basalratenprofil aus

Die Grafik zeigt meinen Basalbedarf über den Tag verteilt und man sieht sehr schön, dass die ersten 6 Stunden des Tages ca. 70% meines täglichen Basalbedarfs erfordern und die restlichen 30% verteilen sich auf die restlichen 75% des Tages.
Ein Profil, das so gar nicht zum Wirkprofil von Lantus passen will, selbst bei Aufteilung auf 2 Injektionen pro Tag.

Warum denn komplett auf die Pumpe verzichten?

Warum denn komplett auf die Pumpe verzichten, wenn es nur um die Zeit am Strand geht, habe ich mir irgendwann überlegt? Am Strand würden wir uns nur tagsüber aufhalten und den Rest des Tages könnte ich die Annehmlichkeiten der Pumpe doch problemlos nutzen.

Mit der Idee bin ich zu meinen Quartalstermin in der Diabetologischen Praxis aufgeschlagen und habe sie mit meiner Diabetologin besprochen. Nachdem sie sich meine Therapiedaten angeschaut hatte, war sie damit einverstanden und hat mir für die Basalversorgung tagsüber einen Pen mit Levemir mitgegeben. Als Dosis haben wir uns auf 5 Einheiten geeinigt.
Der Plan war, die Pumpe am Morgen nach dem Frühstück abzulegen und die Levemirdosis zu spritzen. Am Abend, wenn wir vom Strand zurückkommen und uns fürs Dinner richten, sollte die Pumpe wieder angelegt werden.
Als Mahlzeitenbolus tagsüber bzw. zur Korrektur habe ich einfach mein Pumpeninsulin in einem meiner alten Pens benutzt.

Die kontinuierliche Glukosemessung macht das Ganze einfacher und sicherer

Mit dieser Teilzeit-Pumpenurlaubslösung hatte ich keine Erfahrung und ob es so funktionieren würde, wie wir es uns ausgedacht haben, musste ich erst herausfinden.
Dabei war mein CGMS natürlich eine sehr große Hilfe. Einerseits hatte ich die Sicherheit frühzeitig gewarnt zu werden, wenn etwas aus dem Rudern laufen würde, andererseits konnte ich damit natürlich die Therapiequalität sichern und weiterhin gute Blutzuckerverläufe erreichen, ohne häufiger blutig messen zu müssen.

Wie ist es denn nun gelaufen?

Absolut problemlos. Morgens nach dem Frühstück habe ich die Pumpe deaktiviert und abgelegt, anschließend habe ich die Dosis Levemir gespritzt und das Ganze mit dem Dexcom überwacht. Die Basalversorgung hat gepasst. Die größten Störfaktoren waren die Mahlzeiten, die über Tag anfielen. Also ein leichtes Mittagessen, nachmittags Cappuccino oder ähnliches, hin und wieder mal etwas Süßes dazu. Das größte Problem war also das Abschätzen der KEs. Boli wurden dann mit dem Pen gespritzt. Am Abend habe ich die Pumpe wieder angelegt und so benutzt, wie ich es nun seit einer ganzen Weile schätzen gelernt habe.
Das würde ich jederzeit wieder so machen.

Aufgefallen ist mit allerdings, das am Strand viele Menschen auf meine Kanüle geschaut haben, die ich natürlich weiterhin im „Pelz“ hatte. Manche haben direkt draufgestarrt, andere haben immer mal wieder verschämt gelunzt. Die haben sich wohl alle gefragt, was das ist. Dazu hatte ich am Oberarm noch den Dexcom Sensor der mit Kinesiotape zusätzlich gesichert war.
Es hat sich aber niemand getraut zu fragen. Ich glaube ich hätte zunächst auch geflunkert und erklärt, dass ich darüber meine Firmwareupdates erhalte.

Wie macht ihr Pumpis das am Strand oder im Badeurlaub? Habt ihr ne wasserdichte Pumpe und lasst sie im Wasser an oder habt ihr auch schon einmal eine Pumpenpause gemacht?

 

 

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